Marketing ist nicht nur eine Sache des Verstandes. Es hat auch viel mit Emotion zu tun.

Wer interessiert sich schon für anonyme Zahlenkombinationen? Damit man Dinge richtig ins Herz schließen, sich damit identifizieren kann, brauchen sie einen knuffigen Namen. Das hat Boeing schon mit der Baureihe 747 lernen müssen. Niemand interessierte sich für die Ziffern. Die Menschen nannten ihn „Jumbo-Jet“ oder ganz einfach „Jumbo“. Klar, der Wulst am Bug erinnert ein wenig an einen Elefantenkopf, da lag diese Assoziation nahe. Diesmal sind die Marketing-Strategen schneller: Sie warten nicht erst ab, welche Assoziationen ihr neues Flugzeug weckt, sie geben sie gleich selber vor. „Dreamliner“ soll der Neue heißen. Ein Begriff, der, so sagen Marktforscher, alles beinhaltet, was man sich von einem modernen Flieger wünscht.

Schon im Frühjahr 2004 orderte die „All Nippon Airways“ (ANA) Maschinen des neuen Typs und gehörte damit zu den ersten Bestellern. Als der Dreamliner 2007 in Everett bei Seattle erstmals vor 15000 Besuchern der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, verfolgte man noch einen optimistischen Zeitplan. Bereits im Folgejahr, so glaubte man, könne man die ersten Einheiten an die ANA ausliefern. Doch dann gab es eine Reihe von Problemen, die den Start der Serienproduktion in immer weitere Ferne rückten. Erst im Dezember 2009 konnte der Jungfernflug durchgeführt werden. Er dauerte mehr als drei Stunden und verlief erfolgreich. Den stolzen Start verfolgten etwa 12.000 Gäste und Mitarbeiter in Everett live vor Ort.

Ähnlich wie bei Airbus erfolgt die Fertigung einzelner Module dezentral, um später in der Hauptmontage zusammengebaut zu werden. Boeing selbst beschränkt sich dabei als Systemintegrator auf das Zusammenfügen vorgefertigter Baugruppen. Um größere Segmente des neuen Typs zu den Fertigungsstandorten transportieren zu können, hat man, auf Basis des Super-Jumbos Boeing 747-400, ein bauchiges Frachtflugzeug mit enormer Ladekapazität konstruiert. Auch diese Maschine des Typs 747LCF hatte bald ihren Spitznamen weg, sie wird als „Dreamlifter“ bezeichnet.

Das besondere am Dreamliner ist der konsequente Leichtbau. Etwa die Hälfte der Maschine besteht aus ultraleichten Cabonfaser-Bauteilen, anteilig weit mehr, als bei jedem anderen Flugzeug. Das sorgt für hohe Festigkeit bei verringertem Gewicht, spart Sprit und erhöht die Reichweite. So konnte der Treibstoffverbrauch gegenüber vergleichbaren Modellen um etwa zwanzig Prozent gesenkt werden. Die Reichweite beträgt mehr als 15.000 Kilometer, ein idealer Langstreckenjet also. Zur Wahl stehen Motoren von Rolls-Royce oder General Electric, die modernsten Standards entsprechen. Je nach Innenausstattung passen bis zu 330 Fluggäste in einen Dreamliner. Und zwar bequem, denn bei der Beinfreiheit hat man nicht gespart, die Geräuschdämmung ist besser geworden und ein neues Klimamanagement ermöglicht eine höhere, verträglichere Luftfeuchtigkeit, als es bisher an Bord möglich war. Wer möchte, sieht mehr von der vorbeiziehenden Landschaft, denn die Fenster wurden mit einer Höhe von 48 Zentimetern größer, als sonst üblich. Die Scheiben lassen sich elektronisch verdunkeln.

Im dritten Quartal 2011 soll nun die Serienproduktion voll anlaufen. Im Juni 2011 landete bereits eine 787 in Berlin-Tegel. Die Fluggesellschaft „Air Berlin“ soll nämlich auch welche bekommen.